Neustart unter erschwerten Bedingungen: Zuffenhäuser Stadtteilbibliothek mit neuer Leiterin

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Seit dem 31. März bestimmt Nicole Finke als neue Leiterin die Geschicke der Zuffenhäuser Stadtteilbibliothek, nachdem ihre Vorgängerin Stefanie Schilling die Leitung der am Mailänder Platz angesiedelten Kinderbibliothek übernommen hat.

Für Finke ist es ein Neustart nach der Elternzeit, wenn auch mit den weiterhin andauernden Einschränkungen der Pandemiezeit.

Denn quasi zeitgleich musste die Stadtteilbibliotheken ihr Angebot wegen der Corona-Notbremse wieder auf die reine Abholung reduzieren: Auf www1.stuttgart.de/stadtbibliothek bis zu sieben Medien auswählen oder sich vom fachkundigen Personal ein Überraschungspaket schnüren lassen und dann im vereinbarten Zeitfenster abholen. Und auch für die Veranstaltungen wie die beliebten “Bilderbuchshows” muss man noch immer auf das Internet ausweichen. Gerade wurde “Oh, wie schön ist Panama” von Janosch präsentiert: Sehnsucht nach der Ferne und der sichere Hafen daheim – nie war das Buch so aktuell wie jetzt.

Entsprechend unwirklich ist nun der Vororttermin mit der neuen Büchereileiterin in der auffallend stillen Stadtteilbibliothek: Gäste dürfen derzeit nur bis an die Eingangstür vordringen. Und ein Teil des Büchereiteams wurde aufgrund der eingeschränkten Öffnungzeiten zu Aushilfstätigkeiten in die überlasteten Gesundheitsämter abberufen – zwei 100-Prozent-Kräfte fehlten dadurch, drei in Spitzenzeiten, berichtet Nicole Finke. Bei all den Einschränkungen sei es umso wichtiger, den Kontakt zu den Nutzern nicht abbrechen zu lassen und vor allem auch die jungen Leser an die Angebote der Bibliotheken heranzuführen.

Dazu ist dem Team jedes noch so kreative Mittel recht: Stolz zeigt die Leiterin die liebevoll gestalteten Projekttüten vor, die es zu jeder Kinderbuchabholung kostenlos dazu gibt: Was früher die gemeinsamen “Naturforscher”-Nachmittage waren, mit Projekten wie etwa einem Vulkan zum Selber-bauen, sind nun die Bastel-Wundertüten für daheim. Und auch für den bevorstehenden Welttag des Buches am 23. April hat man bereits etwas Nettes ersonnen.  

Nicole Finke war bereits in vielen Stadtbezirken tätig: Ihr beruflicher Werdegang umfasst Stationen in Ost, Bad Cannstatt, Feuerbach, in der damals noch existierenden Mediothek am Rotebühlplatz. Danach war sie in die Planungen für den Umzug an den Mailänder Platz beteiligt, leitete die Möhringer Bücherei, bekam ihre beiden Kinder, dazwischen stand noch Botnang auf der langen Liste. Und jetzt kommt also der Neustart in Zuffenhausen. Sie sagt von sich “Ich bin eher der Stadtteilmensch”, und erläutert, dass der Kontakt zu den Kunden in den Außenstellen leichter sei: “Hier in Zuffenhausen bin ich Ansprechpartner für alle und alles, und das ist schön.”

Für die Zeit nach Corona hofft sie auf mehr Kontakt mit den Nutzern. Und natürlich auf eine baldige Aufwertung des Bahnhofsvorplatzes: “Wenn man die Situation unten erlebt, kommt man nicht darauf, dass es uns hier oben gibt.” Besonders der Eingangsbereich schrecke ab und der Zugang selbst liege auf der falschen, da ortsabgewandten Seite: “Gut wäre auch ein Eyecatcher, damit man sofort wahrnimmt: Hier ist die Bibliothek”. Den Stein ins Rollen könnte nun die geplante Verlagerung des aus Brandschutzgründen gesperrten Alfred-Beck-Saals ins Erdgeschoss bringen (wir berichteten).

Was aber liest die Privatperson Finke am liebsten: Früher habe sie historische Romane gelesen und Krimis, “gerne auch mit Stuttgart-Bezug”, erzählt sie. Mit zwei Töchtern im Alter von zwei und fünf Jahren und dem coronabedingt eingeschränkten Kita-Betrieb, sei sie dazu aber schon länger nicht mehr gekommen, lacht sie. Und dann geht sie wieder an die Arbeit: Medien für die Abholung vorbereiten und kreative Projekte für die Leser von morgen ersinnen.


(Foto: Nicole Finke, Foto: S. Müller-Baji)


Von Susanne Müller-Baji

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