"Ohne Weggang gibt es ja nichts Neues": Kantor Alexander Kuhlo verlässt das Dekanat und wagt in München einen Neuanfang

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Eben hat Alexander Kuhlo mit einer letzten Orgelmatinée seinen Abschied gefeiert, sein Flügel ist bereits umgezogen. 

“Von Zuffenhausen nach Bogenhausen”, bringt er seinen Wechsel auf den Punkt. Im Gemeindebrief hat der scheidende Dekanatskantor es so formuliert: “Ich möchte im Prodekanat München einen Neuanfang wagen, der sich für mich nach viereinhalb Jahren bei Ihnen in Zuffenhausen zu einer inneren Notwendigkeit herauskristallisiert hat.”

Schwingt da auch ein wenig Bitterkeit mit? Kuhlo sagt, die Länge seines Engagements im Stadtbezirk sei nicht kürzer gewesen als bei früheren Tätigkeiten. Dringlicher sei allerdings seine Sehnsucht nach einem Neubeginn: Die Trennung von seiner Ehefrau habe dazu geführt, dass er auch in anderen Bereichen seines Lebens eine Bestandsaufnahme vorgenommen habe. Außerdem ist er wird er 50 Jahre alt: „Da denkt man schon darüber nach, wie es weiter gehen soll”.

Seine neue Wirkungsstatt in München beschreibt er als “gut situiert” und “bildungsbürgerlich”, was ihm vom Budget her und auch musikalisch neue Möglichkeiten eröffne. Hinzu kommt, dass bei der dortigen Kirchenorgel eine umfangreiche Sanierung ansteht, die er leiten wird. “So ein Instrument ein Stück weit selbst mit zugestalten, reizt mich schon sehr”.

Was im Umkehrschluss aber auch bedeutet, dass er dort einige Zeit ohne Orgel auskommen muss. Doch auch hier hat Kuhlo schon weiter gedacht: Sein eigener Steinway-Flügel fand bereits in der dortigen Kirche eine neue Heimat. Das lohnt sich für beide Seiten: Für den Musiker, der sein Instrument in einer normalen Mietswohnung nie richtig würde ausspielen können. “Und ich kenne sonst keine Kirchengemeinde, die über einen Flügel in ähnlicher Qualität verfügt”.

Damit reiht er aber auch ein weiteres Bundesland in seinen beruflichen Werdegang ein: Der aus Westfalen stammende Kirchenmusiker hat in Hannover studiert; es folgten Anstellungen im Vogtland, in Göttingen, im Westerwald und zuletzt in Zuffenhausen. Was nimmt er mit von seinen schwäbischen Jahren? “Ich habe hier so viel komponiert wie noch nie”, erzählt er. Für ihn selbst etwas überraschend, sei er außerdem ein Stück weit zu seinen familiären Wurzeln zurückgekehrt: “Mein eigener Schwerpunkt lag zwar schon immer auf den Tasteninstrumenten, aber ich entstamme einer alten Bläserfamilie, in der vor allem mein Urgroßvater Johannes Kuhlo für seine Kompostionen bekannt war.”

Seine Anstellung in Zuffenhausen sorgten für eine Annäherung an die familiäre Bläsermusik – und das in doppeltem Sinne: “Der Posaunenchor ist für mich wie eine Familie geworden: Die Leute sind nicht nur musikalisch gut, sondern auch menschlich ganz super.” Kein Wunder, dass die Antwort auf die Frage, was ihm in Bayern fehlen wird, mit “der Posaunenchor!” wie aus der Pistole geschossen kommt. Deshalb soll der Kontakt nun auf keinen Fall abreißen und Kuhlo fasst bereits musikalische Begegnungen in München und Stuttgart ins Auge.  

Seine Position in Zuffenhausen ist bereits ausgeschrieben und erhält einen neuen Schwerpunkt im Bereich der Popular-Kirchenmusik, so Kuhlo. Bereits ab dem Sommer könnte sie neu besetzt werden, wobei es realistisch betrachtet aber wohl eher bis zum Herbst dauern werde. Er habe die Vakanz sorgfältig geplant und für Vertreter in allen Bereichen gesorgt, so dass der Wechsel ohne allzu große Einschnitte für die Gemeinde vonstatten geht. Jetzt aber freue er sich auf die Veränderung: “Ohne Weggang gibt es ja nichts Neues”, sagt er und macht sich wieder ans Packen.


Von Susanne Müller-Baji
(Fotos: S. Müller-Baji)

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